Arbeitskreis Verkehr der UNI-Siegen

Der Arbeitskreis Verkehr der UNI-Siegen verbesserte die Verkehssituation an der UNI in den Jahren 1990 bis 2000

Uni-Arbeitskreis untersuchte Verkehrsverhalten
Blechlawine bleibt weiter ungebremst
Drei Viertel fahren mit dem Pkw auf den Haardter Berg - Buslinien verbessert

Pressespiegel: AK-Verkehr (vgl. Rheinzeitung: 11-04-1991)

SIEGEN. Viel Mühe und Arbeit hat sich der Arbeitskreis Verkehr der Universität Siegen mit einer Fragebogenaktion gemacht. Die ehrenamtliche und unabhängige Initiative erkundete damit das Verkehrsverhalten der rund 12000 Studenten und 1450 Hochschulbediensteten, um Wege aus dem verheerenden Verkehrschaos am Haardter Berg zu finden.

3868 Fragebögen erhielt der Arbeitskreis ausgefüllt zurück. Das Ergebnis ist - wie erwartet - alarmierend. Mehr als 70 Prozent der Befragten fahren mit dem Auto zur Universität, davon sitzen 60 Prozent allein im Wagen, der Rest gehört einer Fahrgemeinschaft an. Nur rund 16 Prozent der Befragten nutzen den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), die übrigen kommen per Rad oder pedes.

Ein großer Teil der Autofahrer gibt zwar an, bei besseren ÖPNV-Verbindungen auf den Bus umsteigen zu wollen, allerdings machen die meisten die Entscheidung nicht nur von einer Angebotsverbesserung, sondern auch von einer Fahrpreisverminderung abhängig. Denn da viele Studenten die Haltungs- und Wartungskosten ihres Fahrzeugs von Angehörigen spendiert erhalten, rechnen sie die Buskarte nur gegen die Spritkosten auf.

Erstaunlich ist allerdings, so legten Michael Treude, Anton Werner und Achim Walder vom Arbeitskreis Verkehr statistisch präzise dar, dass nur 55 Autofahrer mehr Parkplätze forderten. 80 sprachen sich für ein Park + Ride-System aus, 30 wünschten eine bessere Organisation der Fahrgemeinschaften, etwa durch Einführung des ,,Grünen Punkts'. Als konkrete Änderung wird zwar vom beginnenden Sommersemester an ein Tisch im Uni-Bistro als Treffpunkt für Fahrgemeinschaften dienen. Komplexe Lösungen des Dilemmas sind mittelfristig aber nicht in Sicht. So scheitert ein vieldiskutiertes P+R-Modell nach Ansicht des Arbeitskreises an einer offensichtlichen Ungerechtigkeit: Diejenigen, die das P+R-Angebot nutzen würden, müssten zusätzlich eine Buskarte bezahlen, wer weiter direkt mit dem Wagen zur Uni führe wäre davon natürlich enthoben. Und eine Maßnahme wie ein kostenloser Bus-"Shuttle'-Service verbunden mit einer Parkgebühr für Uni-Parkplätze ließe sich kaum durchsetzen.

Während Fußgänger nur Fußwege nach Geisweid und Dreis-Tiefenbach und Radfahrer bessere Absteilmöglichkeiten für ihre Vehikel wünschen, galt das Hauptaugenmerk des Arbeitskreises den Anliegen der Bus- und Bahnbenutzer. Hier lautet die traurige Erkenntnis, dass der ÖPNV nur bei Entfernungen unter zehn Kilometern attraktiv ist. Drei Viertel aller befragten Betzdorfer, Mudersbacher und Kirchener rollen per Pkw zur Uni, obwohl die Bahnverbindung nach Siegen recht gut ist. Der Grund: Da im Gegensatz zu anderen Städten und Regionen im Siegerland keine kombinierbaren Tickets angeboten werden, muss die betroffene Klientel bei Bus und bei Bahn bezahlen, der Fahrpreis wird also unattraktiv.

Für viele, etwa Hilchenbacher oder Burbucher, ist zudem die ÖPNV-Anbindung derart unbequem, dass der Zeitfaktor die maßgebliche Rolle spielt. Lösungen sind da nur allmählich umzusetzen, zum Teil aber auch langfristig undenkbar. Dafür sollen -so die Verhandlungen mit den Verkehrsbetrieben Westfalen-Süd - zunächst kleine Veränderungen zu spürbaren Verbesserungen führen. Etwa eine verbesserte Fahrplankoordination zwischen Bus und Bahn, die Kennzeichnung aller Linien, die direkt auf den Haardter Berg führen, mit einem Uni- Signet, die Verbesserung des Nachmittags-Taktes und der zusätzliche Einsatz von Abend-Bussen.


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