UNI-Siegen - Arbeitskreis Verkehr

VGWS und Bahn für Semesterticket bereit
Zustimmung der Studenten notwendig
Erstmals Zugverkehr integriert
Bisher 70 Prozent per Auto


Pressespiegel: AK-Verkehr (vgl. Siegener Zeitung: 16-05-1993)

Siegen/Weidenau. Im Volksmund heißt der Haardter Berg in Weidenau auch ,,Bildungshügel". Kein Wunder, ist doch der größte Teil der Universität-Gesamthochschule Siegen dort oben angesiedelt. Während der Semester bietet sich aber alternativ auch der Name ,,Autohügel" an: Ober 70 Prozent der über 13 000 eingeschriebenen Studentinnen und Studenten kommen per Kfz zu ihren Vorlesungen und Seminaren. Ursprünglich für knapp die Hälfte dieser Zahl geplant, ist nicht nur die Uni selbst überfüllt: Auch die Parkplätze und -häuser sind voll bis auf den letzten Platz. Selbst Verkehrsinseln und Feldwege müssen oft als Not-Parkraum herhalten.

Einführung noch bis zum Wintersemester
Bisher war der Weg aus der Misere recht einseitig: Mehr Parkplätze mußten her. Dann kam der Arbeitskreis Verkehr der Uni daher und machte es sich zur Aufgabe, den öffentlichen Personennah- verkehr von und zur Uni zu verbessern~ Einige Feinabstimmungen und Optimierungen, besser bestückte Linien und angepaßte Abfahrtzeiten im VGWS-Fahrplan waren die Folge. Nun steht ein wahrer Durchbruch bevor: Wenn die Studentinnen und Studenten wollen, wird noch ab dem Wintersemester ein sogenanntes Semesterticket eingeführt.

Für 80 DM pro Halbjahr werden die Studierenden im Bereich der Verkehrsgemeinschaft Westfalen-Süd mit Bussen und - eine kleine Revolution - auch mit Nahverkehrs-Zügen fahren können. Und zwar nicht beschränkt auf den Uni-Verkehr: Auch die Fahrt ins Theater, ins Kino oder ins Freibad ist möglich, und zwar egal, ob an Sann- oder Feiertagen oder in den Semesterferien. Und zwar im gesamten VGWS-Bereich: von Winterberg bis Dillenburg.

Falls das an vielen anderen nordrhein-westfälischen Universitäten und Fachhochschulen schon länger bewährte Ticket kommt, werden weitere Verbesserungen im Fahrplan eingeführt: zusätzliche Fahrten der Linien 33 und 41 (Siegen bzw. Weidenau-Bahnhof - Haardter Berg), Verstärkung der Linie 61 (Netphen - Uni). Natürlich können dann auch die Park & Ride-Plätze der Stadt genutzt werden.

Frühvorlesung verlegt
Ab dem Wintersemester sollen dann auch die Frühvorlesungen nicht mehr um 8 bzw. 8.15 Uhr beginnen, sondern grundsätzlich um 8.30 Uhr. Damit wäre eine Entzerrung der Spitzenzeiten möglich, denn freiwerdende Busse des Schülerverkehrs könnten dann für den Univerkehr genutzt werden.
Vom 2. bis zum 8. Juni werden die Wahllokale an der Uni geöffnet sein, und jeder Studierende ist gefragt, sein Votum abzugeben. Wenn genügend Stimmen für das Semesterticket zusammen- kommen, wird es eingeführt. 30 Prozent der eingeschriebenen Studierenden müßten sich bei der Abstimmung schon für das Ticket erwärmen, wenn es Wirklichkeit werden soll. Dann freilich käme jeder eingeschriebene Studiosus in den Genuß eines solchen Tickets - ob er nun will oder nicht.
Günter Schneider, Niederlassungsleiter der Westfalen-Bus in Siegen, wies im Rahmen eines Pressegesprächs darauf hin, daß auch die Bahnfahrt beispielsweise bis Köln für Studenten mit dem Semesterticket wesentlich billiger würde: Bis Au an der Sieg würde das neue Ticket nämlich gelten, erst ab dort muß die Bahnfahrkarte gelöst werden.

Dr. Heinz Schaldach, Chef der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd, erklärte, daß die VGWS davon ausgeht, daß zwar einige Einnahmen durch bereits jetzt den Bus benutzende Studenten entfallen. Schließlich würde der Fahrpreis um ein mehrfaches sinken. Die VGWS rechnet aber mit so vielen Neu-Umsteigern, dass dieser Rückgang ausgeglichen würde. Achim Walder vom Arbeitskreis Verkehr fügte hinzu, daß sobald wie möglich auch ein ähnliches Ticket für die Uni-Bediensteten eingeführt werden solle.

Infostand für Studenten
Der Arbeitskreis Verkehr der Uni Siegen rührt auf dem Berg inzwischen die Werbetrommel, um den oft ahnungslosen Studierenden die oft garnicht so schlechten ÖPNV-Verbindungen zur und von der Uni zu erläutern. Von der SZ vor Ort befragte Studenten erklärten in der Mehrzahl ihre Zustimmung in Sachen Semesterticket. Ein Student aus Kredenbach: ,,Ich fahre jetzt noch mit dem Fahrrad. Bei Regen und im Winter bleibt mir nur das Auto. Ich würde sofort auf die Bahn oder den Bus umsteigen." Ahnliche Töne von einem Burbacher Studiosus. Ein Wendener: ,,Ich kann zwar nicht auf den Bus ausweichen, weil die Linien einfach zu ungünstig fahren. Aber schon vom Prinzip her finde ich das Ticket gut und richtig, ich werde auf jeden Fall mit Ja stimmen." Sobald es möglich sei, werde er zumindest den Park & Ride-Platz an der Stahlwerkstraße nutzen und von dort per Bus zum Haardter Berg hinauffahren, damit ihm die lästige Parkplatzsuche erspart bleibe. Schon dadurch würde sich, so der Wendener, das Ticket lohnen. Nur ein Student, der dreimal pro Woche aus Dortmund nach Weidenau kommt, lehnte das Ticket ab: ,,Ich werde nicht die ganze Strecke fahren, um kurz vorher auf den Bus umzusteigen und dann noch 80 DM zu zahlen."

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