UNI-Siegen - Arbeitskreis Verkehr

70 Prozent mit Pkw zur Uni
Schlechte Busverbindung schuld
Viele wollen auf ÖPNV umsteigen
Arbeitskreis ermittelte Meinung

Pressespiegel: AK-Verkehr (vgl. Siegener Zeitung: 10-04-1991)

Das Problem ist seit langem bekannt, jedoch immer noch ungelöst. Die Studentenzahl in Siegen wächst und wächst, aber die Verkehrssituation auf dem Ifaardter Berg bleibt chaotisch. Die Uni-GH ist mit dem öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) schlecht zu erreichen. Es gibt zuwenig Pkw-Parkplätze um die Uni herum, ebenso keine diebstahisicheren Fahrradständer, so daß die Drahtesel in die Hörsäle mitgenommen werden müssen. Um die katastrophale Verkehrssituation grundsätzlich anzugehen, hat sich an der Uni ein Arbeitskreis (AK) Verkehr gebildet, der mit einer Fragebogenaktion Argumente sammelte, Kontakt mit der VWS aufnahm und Verbesserungsvorschläge machte. Um letztere wurden auch die Studenten gebeten. Die witzigsten Vorschläge lauteten: den Haardter Berg abtragen, einen Lift oder eine Rolltreppe installieren, das Wetter verbessern und eine Pferdetränke einrichten.

Gestern berichteten die AK-Mitglieder Achim Walder, Anton Werner und Michael Treude in der Uni über die Auswertung der Fragebogenaktion. 3156 Studenten (rund 25 Prozent) und 580 Uni-Beschäftigte (etwa 40 Prozent) nahmen teil. Von dem Befragten benutzen mehr als 70 Prozent das Auto, 16 Prozent fahren mit Bus oder Bahn, bzw. mit Bahn und Bus, 3 Prozent fahren mit dem Rad, weitere 3 Prozent erklimmen den Haardter Berg zu Fuß. Die meisten, nämlich 75 Prozent, besuchen die Uni vier- bis fünfmal in der Woche. Die Stoßzeiten für die Rückfahrten mit dem Auto sind um 14 Uhr (20 Prozent), 16 Uhr (33 Prozent) und 18 Uhr (12 Prozent). Fast die gleichen Zahlen gelten für die Bus- und Bahnbenutzer. 76 Prozent der Autofahrer gaben an, vom Pkw auf den ÖPNV umzusteigen, wenn die Voraussetzungen gegeben wären, wobei diese sehr individuell ausgelegt wurden.

Kritisiert wurde, daß es zwischen Bus und Bahn keinen Tarifverbund und bei der VWS keine Mehrfachfahrkarten (Streifenkarten) gibt. Ebenso standen die schlechten Anschlüsse der Busse am Bahnhof Siegen und Weidenau im Fadenkreuz der Debatte. Erreicht hat der Arbeitskreis bei der VWS, daß die Abfahrtszeiten der Busse geändert werden. Außerdem soll vom 2. Juni an ein Bus zur Uni um etwa 21 Uhr die Lücke zwischen 20 Uhr und 22.20 schließen. Für die Zukunft wünscht sich der AK eine Verdichtung des Hochschulverkehrs am Nachmittag, Bus-Anschlüsse an den neuen Taktverkehr der Bundesbahn und eine Direktverbindung zwischen Netphen und der Hochschule.

Aufgrund dieser Verbesserungen war von den AK-Mitgliedern zu hören, daß sie von dem ,,Vorurteil von der Unbeweglichkeit der VWS schon ein bißchen weggekommen" seien.

Im übrigen fordern der Arbeitskreis und der AStA eine ,,ökologische Lösung" des Verkehrsproblems, das nur durch einen attraktiveren öffentlichen Nahverkehr bei gleichzeitiger Benachteiligung des Individualverkehrs erreicht werden könne. Gespannt sind die Uni-Experten auf die Reaktionen der "etablierten Parteien". Für sie ist ,,eins klar: Sie werden es schaffen, die Umfrage vor den Karren ihrer Individualverkehrspolitik zu spannen".

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